Es ist wohl kaum möglich, in noch verdichteterer Form die verstörenden Folgen eines Krieges für die Seelen der Zivilbevölkerung geschildert zu bekommen, als wie im jüngsten literarischen Schaffen von Tijan Sila. Allein schon sein mit dem Ingeborg Bachmann Preis prämierter Text „Der Tag, an dem meine Mutter verrückt wurde“ ist dafür ein beredtes Zeugnis, wie Kriegsalltag in und Flucht aus der bosnischen Heimat seine Eltern gebrochen haben. Seine aus dem Roman „Radio Sarajevo“ vorgetragenen Passagen lassen die aufmerksamen Zuhörer im historischen Ratssaal beinahe ungläubig daran teilhaben, wie Heranwachsende in Sarajewo lernen mussten, „Alltagsfluchten“ auf Grundlage ihrer „militärischen Kompetenzen“ zu organisieren, ohne dabei durch die gleichzeitig stattfindenden kriegerischen Handlungen getötet zu werden. Opfer des Krieges waren sie ohnehin…
Dank der bestens vorbereiteten Moderation von Literaturkenner Dr. Matthias Nowack und der auf Anhieb sympathischen Bereitschaft des in Kaiserslautern lebenden Autors, authentisch Auskunft zu geben, gelang es, den Zuhörern sowohl die Komplexität des Jugoslawien-Konflikts, als auch die Situation der Aufnahme und Jahre der Integration der geflüchteten Familie in Mannheim und Landau zu umreißen. Trotz naheliegender Parallelen zur kritischen aktuellen welt- und innenpolitischen Lage wusste man sich an diesem Abend dank seiner immer wieder durchaus humorvollen literarischen Sprache und seinen sehr persönlichen Einblicken in das Leben des Autors, Berufsschullehrers und Familienvaters Tijan Sila intellektuell bestens unterhalten.
Das Publikum griff gerne die Gelegenheit auf, Fragen an den Autor stellen zu können und sich im Anschluss Bücher von ihm signieren zu lassen, die der Speierer Buchladen im Saal zum Verkauf anbot.
Foto 1 oben © Christof Hasenschwandtner: Tijan Sila im Dialog mit Matthias Nowack

Foto 2 © Christof Hasenschwandtner: Der Vorsitzende der Mack-Stiftung, Prof. Dr. Winfried Sommer, begrüßt die zahlreichen Besucher des Abends und verweist auf den Veranstaltungspartner „Bündnis gegen Depression Vorderpfalz“, dem die freiwilligen Spenden des Abends zukommen.


Foto 3 und 4 © Christof Hasenschwandtner: Tijan Sila liest aus seinem Manuskript „Der Tag, an dem meine Mutter verrückt wurde“ und aus seinem Buch „Radio Sarajevo“


Foto 6 © Oliver Roland: Historischer Ratssaal am 01.04.2025
Foto 5 © Christof Hasenschwandtner: Tijan Sila antwortet offen auf Fragen, die aus dem Publikum an ihn gestellt wurden.